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DSGVO und KI-Tools 2025 – Rechtssicherer Einsatz im Unternehmen

·1418 Wörter·7 min·
Inhaltsverzeichnis

Executive Summary
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Der Einsatz von KI-Tools wie ChatGPT, Claude oder Midjourney im Unternehmen birgt erhebliche DSGVO-Risiken. Bußgelder bis zu €20 Millionen oder 4% des weltweiten Jahresumsatzes drohen bei Verstößen.

Kritische Punkte:

  • Die meisten KI-Tools haben US-Server (CLOUD Act-Problematik)
  • Datenverarbeitung oft intransparent
  • AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag) fehlt bei vielen Anbietern
  • Mitarbeiter nutzen Tools ohne IT/Legal-Freigabe

Dieser Guide zeigt:

  1. Welche rechtlichen Anforderungen gelten
  2. Wie Sie Risiken bewerten
  3. Welche Tools DSGVO-konform nutzbar sind
  4. Checklisten für IT & Legal

Rechtliche Grundlagen
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Was ist die DSGVO?
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Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO/GDPR) ist seit Mai 2018 in der gesamten EU gültig und regelt die Verarbeitung personenbezogener Daten.

Wichtigste Prinzipien:

  1. Rechtmäßigkeit: Datenverarbeitung braucht Rechtsgrundlage
  2. Zweckbindung: Daten nur für definierten Zweck nutzen
  3. Datenminimierung: Nur nötige Daten erheben
  4. Transparenz: Betroffene informieren
  5. Integrität: Daten schützen vor Missbrauch

Personenbezogene Daten – Was fällt darunter?
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Definition (Art. 4 DSGVO):

Alle Informationen, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare natürliche Person beziehen.

Beispiele:

  • Name, E-Mail, Telefonnummer ✅
  • IP-Adressen ✅
  • Cookies ✅
  • Mitarbeiter-IDs ✅
  • Kundennummern (wenn zuordenbar) ✅
  • Anonymisierte Statistiken ❌

Wichtig: Auch interne Daten (Mitarbeiter, Bewerber) unterliegen der DSGVO!

Sonderfall: Besondere Kategorien (Art. 9 DSGVO)
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Erhöhter Schutz für:

  • Gesundheitsdaten
  • Biometrische Daten
  • Genetische Daten
  • Politische Meinungen
  • Religionszugehörigkeit
  • Gewerkschaftszugehörigkeit
  • Sexuelle Orientierung

Konsequenz: Diese Daten dürfen Sie NIEMALS in KI-Tools eingeben (außer mit expliziter Einwilligung + DPA).


KI-Tools und DSGVO: Die Probleme
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Problem 1: US-Server und CLOUD Act
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Situation:

  • ChatGPT (OpenAI): Server in USA
  • Claude (Anthropic): Server in USA
  • Gemini (Google): Server in USA + EU (wählbar)
  • Midjourney: Server in USA

Rechtslage: Der US CLOUD Act ermöglicht US-Behörden Zugriff auf Daten, auch wenn sie auf EU-Servern liegen (solange US-Unternehmen).

Schrems II-Urteil (2020): Der EuGH erklärte das Privacy Shield für ungültig. Standard Contractual Clauses (SCCs) sind erlaubt, aber Unternehmen müssen zusätzliche Schutzmaßnahmen treffen.

Was bedeutet das praktisch?

Nicht DSGVO-konform:

User gibt ein: "Kunde Max Mustermann, max@example.com, 
kaufte Produkt X für €500"

DSGVO-konform:

User gibt ein: "Kunde [ANON-ID-12345] kaufte Produkt X für €500"

Problem 2: Fehlende AVV/DPA
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Was ist ein AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag)?

Nach Art. 28 DSGVO muss jeder Auftragsverarbeiter (= Tool-Anbieter) einen AVV mit Ihnen abschließen.

Inhalt:

  • Zweck und Dauer der Verarbeitung
  • Art der Daten
  • Pflichten des Verarbeiters
  • Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs)
  • Meldepflicht bei Datenpannen

Welche Anbieter bieten AVV?

AnbieterAVV verfügbar?Ab welchem Plan?
OpenAI✅ JaEnterprise ($60+/User)
Anthropic✅ JaTeams ($30+/User)
Google Gemini✅ JaGoogle Workspace
Microsoft Copilot✅ JaMicrosoft 365 E3+
Midjourney❌ NeinNicht verfügbar
Jasper AI✅ JaBusiness-Plan

Problem 3: Training mit Kundendaten
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Früher (vor 2023): OpenAI trainierte GPT-Modelle mit API-Daten von Kunden.

Heute: Die meisten Anbieter haben “No-Training”-Policies:

  • OpenAI: API-Daten werden NICHT mehr für Training verwendet (seit März 2023)
  • Anthropic: Strikte No-Training-Policy
  • Google: Workspace-Daten werden nicht für Training genutzt (Consumer-Gemini schon!)

Aber: Vertrauen allein reicht nicht – AVV muss es schriftlich festhalten!

Problem 4: Shadow IT
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Das Problem: Mitarbeiter nutzen ChatGPT privat für Firmen-Aufgaben:

Mitarbeiter: "Schreibe eine E-Mail an unseren Kunden ABC GmbH 
über das Projekt XYZ, Ansprechpartner ist Herr Müller..."

Risiko:

  • Firmendaten landen auf US-Servern
  • Keine AVV
  • Keine IT-Kontrolle
  • DSGVO-Verstoß

Lösung: Enterprise-Lizenzen zentral bereitstellen + Policy durchsetzen


Risiko-Bewertung: Welche Daten darf ich eingeben?
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Ampel-System
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🟢 Grün: Unkritisch (ohne AVV ok)
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  • Öffentliche Informationen
  • Anonymisierte Daten
  • Synthetische Testdaten
  • Code ohne Kommentare/Namen
  • Wissenschaftliche Papers

Beispiel:

Prompt: "Erkläre das Konzept von Machine Learning"
→ Keine personenbezogenen Daten → OK

🟡 Gelb: Bedenklich (nur mit AVV)
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  • Aggregierte Statistiken (ohne Einzelzuordnung)
  • Pseudonymisierte Daten
  • Interne Dokumente ohne Namen
  • Code mit Firmen-spezifischen Variablen

Beispiel:

Prompt: "Analysiere diese anonymisierten Verkaufszahlen: 
Region A: 1000 Einheiten, Region B: 1500 Einheiten"
→ Keine Personenbezug → Grenzfall, besser mit AVV

🔴 Rot: Verboten (selbst mit AVV kritisch)
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  • Namen, E-Mails, Telefonnummern
  • Kundenverträge
  • Mitarbeiterdaten (Gehälter, Bewerbungen)
  • Gesundheitsdaten
  • Finanzielle Transaktionen mit Personenbezug

Beispiel:

Prompt: "Schreibe eine Rechnung an Max Mustermann, Musterstr. 1..."
→ KLARER DSGVO-VERSTONN → NIEMALS!

Tool-by-Tool-Bewertung
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ChatGPT (OpenAI)
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Free/Plus ($20/Monat):

  • ❌ Kein AVV
  • ❌ Chat-Verlauf wird gespeichert
  • ❌ Daten gehen an US-Server
  • Bewertung: Nicht für Firmendaten geeignet

Enterprise ($60+/User):

  • ✅ AVV verfügbar
  • ✅ No-Training-Policy
  • ✅ Admin-Console für Kontrolle
  • ✅ SSO + Audit Logs
  • ❌ Aber: Weiterhin US-Server
  • Bewertung: Akzeptabel mit Risiko-Abwägung

Empfehlung für deutsche Unternehmen: Nutzen Sie Enterprise + pseudonymisieren Sie Daten + dokumentieren Sie TOM

Claude (Anthropic)
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Free/Pro ($20/Monat):

  • ❌ Kein AVV
  • ✅ No-Training-Policy (aber nicht vertraglich zugesichert)
  • ❌ US-Server
  • Bewertung: Nicht für Firmendaten

Teams/Enterprise ($30-40/User):

  • ✅ AVV verfügbar
  • ✅ Strikte No-Training-Policy
  • ✅ Admin-Console
  • ❌ US-Server (EU-Server Q2/2025 geplant)
  • Bewertung: Besser als OpenAI für Privacy-sensitive Firmen

Besonderheit: Anthropic ist kein Werbe-Unternehmen (im Gegensatz zu Google) → weniger Interessenskonflikte

Google Gemini
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Consumer (Free/Advanced $20):

  • ❌ Kein AVV
  • ❌ Daten werden für Training verwendet!
  • ❌ Verknüpfung mit Google-Account
  • Bewertung: NICHT für Firmendaten!

Workspace AI ($30/User):

  • ✅ AVV verfügbar
  • ✅ No-Training für Workspace-Daten
  • ✅ EU-Server wählbar
  • ✅ DSGVO-Dashboard
  • Bewertung: Beste Option für DSGVO-Compliance

Wichtig: Gemini Consumer ≠ Gemini Workspace! Nicht verwechseln!

Microsoft Copilot
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Copilot (Free/Pro $20):

  • ❌ Kein AVV
  • ❌ Consumer-Produkt
  • Bewertung: Nicht für Firmendaten

Copilot für Microsoft 365 ($30/User):

  • ✅ AVV automatisch (Teil von Microsoft 365 Vertrag)
  • ✅ EU Data Boundary verfügbar
  • ✅ No-Training-Policy
  • ✅ Compliance-Zertifikate (ISO 27001, SOC 2)
  • Bewertung: Exzellent für Enterprise

Besonderheit: Daten verlassen Microsoft 365-Umgebung nicht → höchste Sicherheit


Praxis-Checkliste für IT & Legal#

Vor Tool-Einführung
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Legal prüft:

  • AVV vorhanden und unterzeichnet?
  • Serverstandort (EU vs. USA)?
  • SCCs vorhanden bei USA-Transfer?
  • No-Training-Policy schriftlich?
  • DSGVO-Verpflichtung des Anbieters?
  • Subunternehmer offengelegt?

IT prüft:

  • Verschlüsselung (in transit + at rest)?
  • Zugriffskontrollen (SSO, MFA)?
  • Audit Logs verfügbar?
  • Data Retention Policy?
  • Löschkonzept bei Vertragsende?

Datenschutzbeauftragter:

  • DSFA (Datenschutz-Folgenabschätzung) durchgeführt?
  • Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten aktualisiert?
  • Mitarbeiter geschult?

Während des Betriebs
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Monatlich:

  • Zugriffsrechte überprüfen (Wer hat Zugang?)
  • Logs auf Anomalien prüfen
  • Kosten-Monitoring (ungewöhnliche Nutzung = Risiko)

Quartalsweise:

  • Mitarbeiter-Schulung wiederholen
  • Policy-Compliance prüfen (werden Regeln eingehalten?)
  • Anbieter-Updates prüfen (neue Privacy-Features?)

Jährlich:

  • DSFA aktualisieren
  • AVV-Review (ist Vertrag noch aktuell?)
  • Alternative Anbieter evaluieren

Mitarbeiter-Richtlinie (Vorlage)
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=== KI-Tool-Nutzungsrichtlinie ===

1. ERLAUBTE TOOLS
   - Microsoft Copilot (nur mit Firmen-Account)
   - Google Workspace AI (nur mit Firmen-Account)
   - [Weitere genehmigte Tools]

2. VERBOTEN
   - ChatGPT Free/Plus (privater Account)
   - Claude Free/Pro (privater Account)
   - Jedes Tool ohne IT-Freigabe

3. DATEN-REGELN
   ✅ Erlaubt:
   - Öffentliche Informationen
   - Anonymisierte Daten
   - Eigene Code-Snippets ohne Firmendaten
   
   ❌ Verboten:
   - Kundennamen, E-Mails, Adressen
   - Mitarbeiterdaten
   - Vertragsinhalte
   - Geschäftsgeheimnisse
   - Quellcode mit Credentials

4. BEI VERSTOBEN
   - 1. Verstoß: Verwarnung
   - 2. Verstoß: Schriftliche Abmahnung
   - 3. Verstoß: Kündigung

5. MELDEPFLICHT
   Wenn Sie versehentlich sensible Daten eingegeben haben:
   → Sofort IT-Security informieren: security@firma.de

Unterschrift: __________________ Datum: __________

FAQ: Häufige Fragen
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Darf ich ChatGPT Plus für Firmen-E-Mails nutzen?
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Nein. ChatGPT Plus ist ein Consumer-Produkt ohne AVV. E-Mails enthalten fast immer personenbezogene Daten (Namen, Adressen).

Alternative: ChatGPT Enterprise oder Microsoft Copilot

Darf ich Code mit Firmendaten in GitHub Copilot eingeben?
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Kommt drauf an:

  • ✅ Code ohne Credentials, Namen, Kommentare mit PII → OK
  • ❌ Code mit Datenbankdumps, API-Keys, E-Mails → NICHT OK

Empfehlung: GitHub Copilot Enterprise mit Policy-Enforcement nutzen

Was passiert bei DSGVO-Verstoß?
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Bußgelder:

  • Bis zu €20 Millionen ODER
  • 4% des weltweiten Jahresumsatzes (das Höhere)

Beispiele:

  • Amazon: €746 Millionen (2021, Cookie-Banner)
  • Google: €50 Millionen (2019, intransparente Datennutzung)
  • H&M: €35 Millionen (2020, Mitarbeiter-Überwachung)

Zusätzlich:

  • Reputationsschaden
  • Schadensersatzforderungen von Betroffenen
  • Unterlassungsklagen

Reicht ein AVV aus?
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Nein, nicht automatisch. Sie müssen zusätzlich:

  1. Risikobewertung: DSFA durchführen
  2. TOMs prüfen: Sind Schutzmaßnahmen des Anbieters ausreichend?
  3. SCCs + Zusatzgarantien: Bei USA-Übermittlung
  4. Mitarbeiter schulen: Policy durchsetzen
  5. Dokumentation: Alles schriftlich festhalten

Handlungsempfehlung nach Unternehmensgröße
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Startups (<10 Mitarbeiter)
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Empfehlung:

  • Nutzen Sie Google Workspace AI oder Microsoft Copilot
  • Vermeiden Sie Consumer-Tools komplett
  • Budget: ~€300-500/Monat für 10 User

KMU (10-250 Mitarbeiter)
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Empfehlung:

  • Microsoft Copilot (wenn bereits Microsoft 365)
  • ChatGPT Enterprise + strenge Policy
  • Datenschutzbeauftragten bestellen (ab 20 Mitarbeitern Pflicht in DE)
  • Budget: €3.000-15.000/Monat

Enterprise (250+ Mitarbeiter)
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Empfehlung:

  • Multi-Tool-Strategie (Microsoft Copilot + Claude Enterprise)
  • Dedicated Legal/Compliance-Team
  • Regelmäßige Audits
  • Custom DPA mit Anbietern
  • Budget: €50.000-200.000/Monat

Ausblick: EU AI Act 2025
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Ab August 2025 tritt der EU AI Act in Kraft:

Wichtigste Änderungen:

  1. Risikoklassifizierung: KI-Systeme werden in Risikostufen eingeteilt
  2. Transparenzpflicht: Nutzer müssen wissen, dass sie mit KI interagieren
  3. Verbot bestimmter KI: Social Scoring, Massenüberwachung
  4. CE-Kennzeichnung: Hochrisiko-KI braucht Zertifizierung

Was bedeutet das für KI-Tools?

  • Anbieter müssen Risikoanalysen veröffentlichen
  • Transparenz über Training-Daten
  • Höhere Haftung bei Schäden

Empfehlung: Bleiben Sie am Ball – Anforderungen werden steigen


Fazit
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Kernaussagen:

  1. ✅ KI-Tools können DSGVO-konform genutzt werden
  2. ❌ Consumer-Versionen (ChatGPT Plus, Claude Pro) sind NICHT ausreichend
  3. ✅ Enterprise-Lizenzen mit AVV sind Pflicht
  4. ⚠️ US-Server sind rechtlich problematisch, aber mit SCCs + DSFA vertretbar
  5. 🛡️ Microsoft Copilot und Google Workspace AI sind sicherste Optionen

Wichtigste Maßnahmen:

  1. Enterprise-Lizenzen beschaffen
  2. AVV abschließen
  3. Mitarbeiter schulen
  4. Policy durchsetzen
  5. Regelmäßig überprüfen

Letzte Aktualisierung: Februar 2025 | Keine Rechtsberatung – konsultieren Sie einen Anwalt!

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